Pressestimmen

Medienecho zu Performance und Gesang

Zum Sterben Schön <2007>

Süddeutsche Zeitung - SZ: Poetische Dichte [EVEYLN PSCHAK]

Die Performance "Zum Sterben schön" in der White Box

Es gibt keine Zufälle. Eine kleine Motte tanzt in abrupten Zickzacklinien zwischen den Scheinwerfern. Von der Schauspielerin noch keine Spur, der Nachtfalter beansprucht den Bühnenraum im unteren Stockwerk der "White Box", umkreist im Stolperflug den braun geblumten Ohrensessel, das Rolltischchen samt Fernseher, einen alten braunen Koffer. Links hängt von einem Stahlträger eine rote, zum Kokon geknotete Schärpe herab. Zu Flötenspiel (Cornelia Kleyboldt) kündigt sich der Schlupf eines zweiten Falters an. Diesmal ist es die Protagonistin, Ditte Schupp. Als moderne Erinnye, als Rachegöttin, kämpft sie sich durch einen Monolog gegen die Ungerechtigkeit des Todes. Wut, Erschöpfung, und Ratlosigkeit fließen in ihre Worte, die Rezitationen wirken oft brüchig und gacksend. Die Stimme der Trauer ist dem Ohr kein Fest.

Drei Jahre schrieb die Autorin und Schauspielerin an diesem Stakkato. "Worte, die eine Festung bilden gegen die Unbill einer feindlichen Welt", schreit sie dem Publikum als Furie entgegen und wirkt dabei so zerbrechlich und fahrig, dass man ihr das Messer, mit dem sie einen Apfel schält, aus der Hand nehmen möchte, aus Angst, sie könnte sich schneiden. Schupp verarbeitete Begegnungen mit dem Tod zu "einer Verdichtung, einer Essenz", wie sie erklärt, " deswegen ist es natürlich zum Teil auch sehr abstrakt, das ist mir klar".

Ihre Gedankensplitter wurden von Alexander May, der nach Regieassistenzen bei Christoph Schlingensief und Claus Peymann jetzt als freier Regisseur arbeitet, szenisch eingerichtet. Die Performance ist in eine Ausstellung der Künstler Sybille Loew, Bernhard Blank und Sven Kalb eingebettet, wobei vor allem die Installation von Loew dem Raum poetische Dichte verschafft: Stoffschilder hängen an Fäden von der Decke, jedes einzelne bestickt mit dem Namen, Todestag und Alter eines in München im Jahre 2005 einsam gestorbenen Menschen.

Schupp streicht durch das filigrane Memento mori, zitiert die Namen, vermischt sie mit eigenen Verlusten und verzögert so das Vergessen: "Ich bin der Meinung, dass man nur richtig leben kann, wenn man sich bewusst ist, dass Sterben jederzeit möglich ist. Das hat nichts Morbides, es ist sogar lebensbejahend, deswegen heißt es auch zum Sterben schön". Man kann nur dann gut leben, wenn man das Leben würdigt. Dafür habe ich diesen Abend gemacht."
Quelle: Süddeutsche Zeitung Nr.86, Samstag, den 14. April 2007 , Seite 61

Abendzeitung - AZ: Göttin Liliths Klage [MATHIAS HEJNY]

Theaterbilder zur Ausstellung: Ditte Schupps Projekt "Zum Sterben schön"

Sie träumte den Traum der Romantiker vom Gesamtkunstwerk. Die in München lebende Schauspielerin Ditte Schupp erfüllte sich nun mit dem Projekt "Zum Sterben schön" diesen Traum auf ihre Weise: Sie spielt nicht im Theater, sondern in der Kunstgalerie whiteBOX und reagiert auf eine Ausstellung deren Exponate gleichfalls zu Thema "zum Sterben schön" gesammelt wurden.
Mit der Rauminstallation "Stiller Abgang" gedenkt Sybille Loew all derer, die in München 2005 ohne jegliche Angehörige starben. Die Toten sind repräsentiert durch von der Decke hängende Etiketten, deren karge Information über Name, Todestag und Alter die Fantasie über dahinter verborgen bleibende Personen in Bewegung setzen. Bernhard Blank ließ sich von altägyptischen Gräbern zu dem Bild "Die Scheintür" als Verbindung zwischen Hier und Jenseits inspirieren. Sven Kalb zeigt auf großformatigen Gemälden in expressiver Gestik die Verletzlichkeit und Verwandlungen des menschlichen Gesichts. Dazu webt Cornelia Kleyboldt mit mehreren Flöten einen atmosphärereichen, schwebenden Klangteppich.
Hier bewegt sich Ditte Schupp als Totengöttin Lilith auf Forschungsreisen durch das Leben. Die Passage beginnt mit dem Fall aus einem blutroten Kokon und endet mit dem unauffälligen Verschwinden aus dem Raum (szeninische Einrichtung. Alexander May). Lilith beklagt Häutungen, Wandlungen und Vergehen, wobei sie zum Sterben viel zu schön ist (Kostüm: Monika Staykova).
Quelle: Abendzeitung Nr. 86, Samstag, den 14. April 2007, Seite 26

„Wie werde ich Filmstar - Teil 1“ <1993> und „Late Night Show“ <1998>

SZ - München

Frau Ditte trug ein hochgeschlossenes, ärmelloses Kleid aus rotem Samt, und für ihr hingehauchtes „Danke“ nach den Songs würde manch besserer Herr seinen rechten Arm geben. Am Schluß kam das Lied vom Waldemar, das Beautys feinherben Charme zum Strahlen brachte. „Er heißt Waldemar / und hat schwarzes Haar / Er ist nicht stolz und nicht kühn / aber ich liebe ihn.“ Da möchte man glatt Waldemar heißen.

TZ - München

Das Aussehen fürs Showbiz hat sie. Schauspielerische Ausbildung und Begabung auch. Ditte Schupps Begabung liegt in ihrer Bühnenpräsenz, ihrem kömödiantischem Witz und frischer Verwandlungsgabe.

AZ - München

Eine Blondmischung aus Marylin und Marlene, singt sie mit sanft -samtiger Stimme Songs der 30er bis 60er Jahre.

SZ - München

Schmal, kühl und streng, ganz in Schwarz mit leuchtend rotem Mund thront sie hoch oben auf dem Piano und bekennt uns ihre Laster. Ditte Schupp singt von der Liebe. Sie macht das sehr gut. Sie beherrscht alle Posen und Tonlagen, den frechen Hüftschwung, den lasziven Augenaufschlag, den professionellen Himmelwärtsblick, den kleinen Kiekser in der Stimme, das verruchte Gurren und das aggressive Schmettern. Dabei erspart sie uns Gott sei Dank die Dietrich-/Leander-Hitparade. Bis auf einen Hollaender- und einen Lindenberg-Titel sind es unbekannte Lieder aus den dreißiger Jahren und eigene, schöne neue Schlager, die sie präsentiert. Sie hat Charisma und Witz, sie spielt ironisch mit Klischees von der schnoddrigen Berliner Dirne über die lispelnde, in sich selbst verliebte Blondine bis zur Domina. Ein feines Programm.

Ansbacher Tagesspiegel

„Wie werde ich ein Filmstar?“, fragte die blonde Wandelgöre und legte los mit einem Musik-Kabarett-Programm im Seminarstil. Ditte sang sich durch das internationale Film-Melodien-Kabinett, als ob`s ein Spaziergang wäre. Beschwipst sinnlich hauchte sie: „Kann denn Liebe Sünde sein ?“, bestand in der Up-Speed-Version von Paul Ankas „My way“ darauf, daß es auch wirklich der ihre war und träumte bei „As time goes by “ von den Zeiten mit Humphrey.